Der Pfälzer Weinsteig zeigt sich Wanderern im Herbst von seiner schönsten Seite.Die Kammwege über die Hermannshöhen im Teutoburger Wald führen an Burgen, Klöstern und spektakulären Felsformationen vorbei.Die "Frankenwaldsteigla" im bayerischen Frankenwald gehören zu den idyllischten Wegen der Republik.

Bitte, lieber Herbst, hör’ nicht so schnell auf! Denn Wandern im Farbenrausch wirkt wie ein Wundermittel für Körper und Seele. Das Gehen an der frischen, klaren Luft macht fit, senkt den Blutdruck, die Schönheit der Natur vertreibt Alltagssorgen und so manches Zipperlein – und das, ohne großartige Kosten zu verursachen. Also nichts wie rein in feste, wettertaugliche Schuhe, kleiden nach dem Zwiebelprinzip und los geht es auf Deutschlands schönste Wanderwege. Das sind die zehn farbenprächtigste Herbsttouren.

1. Willingen im Sauerland: Uplandsteig im Rothaargebirge www.willingen.de Der anspruchsvolle Uplandsteig eignet sich für mehrtägige Touren

Ein 300 Kilometer langes Wegenetz: In Nordhessen, rund 60 Kilometer westlich von Kassel, liegt die Gemeinde Willingen mit ihren vielen Wanderwegen im Rothaargebirge. Unter den 42 Rundwanderwegen sticht der Uplandsteig hervor. Auf einer Länge von 66 Kilometern können ambitionierte Wanderer das Laub von Buchenwäldern riechen, sich an den kunterbunten Blättern der Mischwälder erfreuen, durch Feldflure, Wiesen, Sumpflandschaften marschieren und Ausblicke von den Hochheiden genießen.

Der anspruchsvolle Uplandsteig eignet sich als 3-Tagestour mit Etappen von je 22 Kilometern, denn der Rundweg um Willingen ist mit größeren Steigungen und steilen Abstiegen gespickt: 1555 Höhenmeter Aufstieg und 1526 Meter Abstieg. www.willingen.de Die Gemeinde Willingen bei Kassel bietet Wanderfreunden über 40 Rundtouren

Mehr Infos: www.willingen.de2. Pfälzer Weinsteig: Mit Genuss durch Reben, Wälder und Felsen

Im Südwesten liegt das größte zusammenhängende Waldgebiet der Republik: die Pfalz. Einen besonderen Reiz übt die Weinregion im Herbst aus. Denn entlang der Wanderrouten leuchten nicht nur die Blätter des Pfälzer Waldes, sondern auch die Rebstöcke in Rot- und Goldtönen, und es wird überall Federweißer angeboten.

Als abwechslungsreichste Tour gilt der 170 Kilometer lange Weinsteig, der in elf Etappen von Bockenheim über Bad Dürkheim, Neustadt an der Weinstraße, Burrweiler, Dernbach, Klingenmünster nach Bad Bergzabern und schlussendlich nach Schweigen-Rechtenbach führt. dpa/Uwe Anspach Blick auf das Hambacher Schloss: Der Weinsteig führt auch über Neustadt an der Weinstraße

Das Besondere am Weinsteig: Zum ultimativen Genusserlebnis tragen auch etliche Burgen, Ruinen und malerische Dörfer bei, die entlang des Wanderweges liegen. Wer nicht so viel Zeit hat und lieber Tagestouren macht, probiert den 18,5 Kilometer langen Hauensteiner Höhenweg, die 20 Kilometer lange Seen-Wanderung im Maimontland oder die Tour über den Großen Almersberg aus.

Mehr Infos: www.wanderportal-pfalz.de Jetzt mit einem Gutschein von Flixbus sparen! 3. Nationalpark Hainich in Thüringen: Baumwipfelpfad im Unesco-Weltnaturerbe

Ein Urwald mitten in Deutschland: Zwischen den Städten Bad Langesalzach, Eisenach und Mühlhausen erstreckt sich der größte zusammenhängende Laubwald des Landes. Eschen, Rotbuchen und Ahornbäume leuchten im Herbst um die Wette und können mit dem Farbenspiel des berühmten „Indian Summer“ auf dem nordamerikanischen Kontinent locker mithalten. Der Nationalpark Hainich mit seinen uralten Buchenwäldern steht seit 2011 auf der Liste des Unesco-Weltnaturerbes. dpa/Rüdiger Biehl Über den bunten Herbstwäldern wandeln: Der Baumwipfelpfad im thüringischen Nationalpark Hainich

Die Krönung im wahrsten Wortsinn ist ein Spaziergang entlang des Baumkronenpfades – ein schöner Herbstausflug für ein paar Stunden. Der Pfad in 44 Metern Höhe windet sich in zwei Schleifen um einen Baumturm. Von hier oben schweift der Blick bis zu den Höhen des Harzes und des Thüringer Waldes. Auf den Rundwegen unten im Wald gibt es auch etliche Vogelarten, Fledermäuse und sogar 60 Wildkatzen zu entdecken.

Mehr Infos: www.nationalpark-hainich.de4. Chiemgauer Alpen: Höhepunkte auf der Hochplatte

Bayern von seiner besten Seite: Ein paar Kilometer vom Chiemsee entfernt liegt die 1568 Meter hohe Hochplatte. Ein Nachbarberg der Kampenwand, die wegen ihres gezackten Felsrückens, dem größten Gipfelkreuz in den Bayerischen Alpen und dem Schüttelreim „I gangat gern auf d’Kampenwand, wann i mit meiner Wamp’n kannt’“  bekannt ist.

Das Besondere an dem zwei- bis dreistündigen Aufstieg auf die Hochplatte ist der Ausblick: Vom Wanderparkplatz in Rottau geht es durch Wiesen und bunte Wälder und plötzlich liegt im Norden der Chiemsee. Richtung Osten ragen nach den Chiemgauer Bergen die Berchtesgadener Riesen in den Himmel, gen Westen verzaubert die Kampenwand. Colourbox Von den Chiemgauer Alpen aus blickt man an schönen Tagen bis zum Gloßglockner

Und wer nach dem Gipfelaufstieg in die Piesenauer Hochalm einkehrt und auf der Südterrasse sitzt, hat das österreichische Kaisergebirge vor der Nase. Der Blick schweift in der klaren Herbstluft bis in die Hohen Tauern, zum schneebedeckten Großglockner und dem Großvenediger.

Wem die 1000 Höhenmeter zu viel sind, der kann die Hochplattenbahn von Marquartstein aus nehmen und die Tour auf eine Stunde Gehzeit verkürzen.

Mehr Infos: www.naderbauer.de5. Teutoburger Wald: 13 bunte Etappen auf den Hermannshöhen

Im Niedersächsischen Bergland erstreckt sich der Teutoburger Wald mit seinen beiden vom Wanderverband zertifizierten Qualitätswanderwegen „Hermannsweg“ und „Eggeweg“. Die beiden Kammwege bilden die Hermannshöhen und führen auf 226 Kilometern Fernwanderwege durch die Mittelgebirgslandschaft.

Der Weg zählt zu den „Top Trails of Germany“, also zu den 16 schönsten und erlebnisreichsten Wanderwegen des Landes und führt vorbei an Schlössern, Burgen, Klöstern, spektakulären Felsformationen, den berühmten Externsteinen und Wäldern, die in goldenen Herbstfarben leuchten. dpa/Teutoburger Wald Tourismus/A. Hub Eindrucksvolle Felsformation: die Externsteine am Rande des Teutoburger Waldes Der tiefste Punkt der Wanderung, die sich auf zehn bis 13 Tagesetappen erstreckt, liegt 32 Meter über dem Meerespiegel, der höchste 468 Meter.

Die Wege sind auch einzeln zu machen, der Hermannsweg erstreckt sich über rund acht Tage, der Eggeweg mit 73 Kilometern auf sechs Tage. Weniger ambitionierte Wanderer erkunden das verwunschene Silberbachtal, gehen zu der eindrucksvollen Felsformation der Externsteine oder besteigen den Velmerstot, mit 468 Metern Höhe die höchste Erhebung des Eggegebirges. 

Mehr Infos: www.teutoburgerwald.de Hier den Reise-Newsletter abonnieren

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6. Karwendelgebirge: Großes Kino im Großen Ahornboden

Zugegeben, der wunderschöne Fleck Erde, um den es jetzt geht, liegt gerade nicht mehr in Bayern, sondern bereits auf tirolerischem Gebiet. Schließlich gehört der größte Teil des Karwendels zu Tirol und nur ein kleiner Teil der felsigen Gipfel erstreckt sich auf oberbayerischem Boden. Dem Wanderer dürfte das herzlich egal sein, wenn er am Ende des Risstals die Hochebene namens Großer Ahornboden erreicht. Colourbox Postkartenreife Herbstkulisse: der Ahornboden im Karwendel

Umgeben von den markanten, steilen Felswänden breitet sich dort eine Grasebene mit 2000 Ahornbäumen aus. Diese teils mehrere hundert Jahre alten Ahornbäume leuchten im Herbst in strahlenden Gelb- und Goldtönen im Kontrast zum Blau des Himmels und den grauen Felswänden.

Dieses einmalige Naturschauspiel lässt sich bei einem gut einstündigen Spaziergang zur Bimsalm erleben. Aber auch im Rahmen einer größeren Tour auf das fast 2000 Meter hohe Lamsenjoch oder in zweieinhalb Stunden zur spektakulär gelegenen Falkenhütte, die übrigens zum Deutschen Alpenverein gehört.

Mehr Infos: www.ahornboden.com7. Frankenwald: „Steigla“ Petersgrat – Stille hören in der qualitätsgesicherten Idylle

„Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“ heißt das Siegel, das der Wanderverband dem Frankenwald als erster Region in Bayern verliehen hat. Wanderfreunde finden in der Naturparkregion im Norden Bayerns 32 „Frankenwaldsteigla“ mit Längen zwischen 5 und 18 Kilometern, die sich um die Themen „Stille hören“, „Weite atmen“ oder „Wald verstehen“ drehen.

Der „Steigla“ Petersgrat von Joditz aus folgt den Schleifen der Saale durch das Auental bis auf den Aussichtspunkt Petersgrat hinauf. 100 Meter über dem Ufer der Saale wird klar, warum das Motto der Tour „Stille hören“ lautet. Hier oben ist nur das ruhige Plätschern des Nebenflüsschens des Mains zu hören, der Blick schweift über die kunterbunten Blätterdächer des Forstgebietes Leuchtholz und bleibt an dem in eine Saaleschlaufe gebetteten Auensee kleben. Idyllischer geht es kaum.

Mehr Infos: www.wandern-im-frankenwald.de, www.frankenweg.de8. Zwischen Hamburg, Hannover, Bremen: Flachland-Wandern auf den Nordpfaden

Es gibt viele Menschen, die gehen gerne zu Fuß, aber sie mögen keine steilen Anstiege oder gar Berge. Wer zu dieser Spezies von Wanderern zählt, findet in der Flachland-Wanderregion Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen sein Paradies. Nordpfade heißen die 24 Rundwanderwege, die durch die sanft gewellte Landschaft zwischen den Städten Hamburg, Hannover und Bremen führen. dpa Stimmungsvoller Sonnenuntergang über einer Weide bei Zeven (Kreis Rotenburg-Wümme)

Von der sechs Kilometer langen Halbtageswanderung bis zur 32 Kilometer langen Mehrtageswanderung ist alles geboten stets nach dem Motto: flach, weit, idyllisch – Genusswandern auf die norddeutsche Art. Die vom Wanderverband zertifizierten Pfade führen durch große Waldgebiete, Moore, Heideflächen, Flusstäler, vorbei an naturbelassenen Seen und in kleine Bauerndörfer. So geht gemütlich wandern.

Mehr Infos: www.nordpfade.info9. Schwarzwald: Kaiserstuhlpfad – Weinberge und wilde Romantik

Früh aufstehen lohnt sich: Wer im Morgengrauen im Winzerstädtchen Endingen im südlichen Schwarzwald aufbricht, erlebt auf dem 22 Kilometer langen Kaiserstuhlpfad ein herbstliches Naturschauspiel der Superlative. Zum Sonnenaufgang verstecken sich die Täler noch im dichten Neben, oben auf dem Eichelspitzturm strahlt bereits die Sonne. dpa Herbstliches Farbspiel am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg

In der klaren Herbstluft gibt es eine Fernsicht bis zu den Alpen und nach Straßburg. Der höchste Gipfel des Kaiserstuhls ist der Totenkopf mit seinen 557 Metern, der aus der Rheinebene ragt. Nun geht es bergab durch Lösshohlwege und die für den Kaiserstuhl so typischen terrassierten Weinberge, die sich im Herbst von ihrer farbenprächtigsten Seite zeigen. Die gesamte Tour dauert fast achteinhalb Stunden.

Mehr Infos: www.touren-schwarzwald.info10. Altmühltal: Panoramaweg durch die Märchenwelt

Der "Naturpark Altmühltal" gehört zu den größten Naturparks der Republik. Durch die Flusslandschaft mit ihren sanft gewellten Hochflächen, steilwandigen Tälern und schroffen Felsen der südlichen Frankenalb führt der 200 Kilometer lange Altmühltal-Panoramaweg von Gunzenhausen über Eichstätt nach Kehlheim. dpa Letzte Rast vor dem Weiterwandern – der Panoramaweg durchs Altmühltal trägt seinen Namen zurecht

Gut zehn Tage dauert die Wanderung durch eine Art Märchenwelt. Vorbei an Wacholderheiden, durch Herbstwälder, entlang von bizarren weißen Kalkfelsformationen, zu spektakulären Aussichtspunkten und bis zum berühmten Donaudurchbruch, der "Weltenburger Enge". Wegen seiner Vielfalt und Schönheit gehört der Altmühltal-Panoramaweg zu den „Top Trails of Germany“, also den schönsten Weitwanderwegen Deutschlands.

Mehr Infos: www.naturpark-altmuehltal.deIm FOCUS Online/Wochit Deutschland abgerutscht: Das sind jetzt die mächtigsten Reisepässe der Welt Deutschland Wandern Herbst Urlaubsregion Schwarzwald Karwendel Teutoburger Wald