Oman liegt auf der arabischen Halbinsel und bietet Natur, Kultur und angenehm warme Temperaturen.Im Gegensatz zu den benachbarten Emiraten leben die Omanis jahrtausendealte Traditionen.Trotz seiner Lage im Nahen Osten gilt der Oman als sicher.

So fühlt er sich an: der Himmel auf Erden. Das Gefühl, das einen nur so selten berauscht, wenn tausende Endorphine den Körper durchströmen und die Gesichtsmuskeln unweigerlich ein vollkommen glückstrunkenes Lächeln formen. So fühle ich mich beim Anblick des tiefblauen Ozeans und der goldschimmernden Felsketten, die die Küste wie ein natürliches Schutzschild umgeben. Der Wind zerzaust meine Haarsträhnen, Salzkristalle vom Meerwasser glitzern auf meiner Haut. Vor wenigen Stunden habe ich mir noch das Hirn über Dinge zermartert, die mir in diesem Moment völlig bedeutungslos erscheinen. Ministry of Tourism, Sultanate of Oman Die magischen Ausblicke über die Bucht Bandar Khayran östlich von Maskat verzauberten unsere Autorin

Ich bin im Oman. Im östlichsten Land der arabischen Halbinsel also, zwischen Saudi-Arabien, Persien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Jemen. Das Sultanat, das in etwa so groß ist wie Deutschland, gilt als eines der friedlichsten Länder der arabischen Welt.

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„Omanis sind die nettesten Araber“

„Für mich gibt es keinen sichereren Ort auf der Welt“, sagt Anett Kaser. Die Berlinerin kam 1993 aus Deutschland hierher und blieb. Heute ist sie mit einem Omani verheiratet und zeigt deutschen Urlaubern das Land. Der Oman ist ihr Zuhause geworden. „Die Omanis sind die nettesten Araber“, schwärmt die quirlige Blondine mit weichen Locken und sanft gebräunter Haut. Nach Deutschland zurückzukehren komme für sie nicht infrage. Zu schön sei der Oman. Ministry of Tourism, Sultanate of Oman Palmengesäumte Wadis, also regenwassergefüllte Flussläufe, schmiegen sich wie kleine Oasen in die trockenen Bergtäler

Und auch ich bin beeindruckt: von den zerklüfteten Bergketten des Hadschar-Gebirges, das mal goldgelb, mal kupferorange und mal fast weiß schimmert. Von dem Kontrast der kargen Gerölllandschaften, in denen nur äußerst genügsame Sträucher überleben, und den von Palmen gesäumten Wadis, die sich bei Regen in reißende Flüsse verwandeln. Dem würzigen Weihrauchduft, der dem Volksglauben nach böse Geister vertreibt. Und der Freundlichkeit der Omanis, mit der sie ihre Gäste im Land willkommen heißen.

Die Emirate als Anti-Vorbild für den Oman

So paradiesisch habe ich mir den Oman nicht vorgestellt. Viele malen sich die legendäre Heimat von Sindbad dem Seefahrer als Abklatsch der Vereinigten Arabischen Emirate aus. Doch außer ihrer gemeinsamen Grenze haben die Länder wenig gemeinsam. Skihallen mitten in der Wüste, opulente Shopping-Malls und Wolkenkratzer gibt es hier nicht. Das Gigantische, das Rekordverdächtige, das Prätentiöse der Emirate fehlt dem Oman. Und das empfinde ich als äußerst angenehm. Hoteltipp in Maskat

Shangri-La Barr Al Jissah Resort & Spa

Das 2006 eröffnete Resort schmiegt sich wie eine gewachsene arabische Siedlung in eine Meeresbucht rund eine halbe Autostunde östlich von Maskat. Es bietet Luxus der Extraklasse – verteilt auf drei Hotels.

Kulinarisch können Hotelgäste in den 22 Restaurants und Bars der Anlage quasi eine Weltreise unternehmen. Mein absoluter Favorit: die moderne “Bab-Lounge”, Maskats einzige Strandbar direkt am Meer. Mit einem giftgrünen Limette-Minze-Drink kann man den Tag unter weißen Baldachinen in gemütlichen Lounge-Möbeln perfekt ausklingen lassen.

Preis und Infos: Eine Übernachtung im Luxushotel Al Husn im Deluxe Sea View Room für zwei Personen inklusive Frühstück ab 310 Euro. Im Al Waha kostet eine Nacht ab 185 Euro und im Familienhotel Al Bandar bezahlen zwei Personen inklusive Frühstück rund 240 Euro. Mehr Infos unter www.shangri-la.com/muscat

„Menschenfreund Qaboos“: Das mächtige und geschätzte Staatsoberhaupt

Die Geschicke des muslimischen Staates lenkt seit 46 Jahren Sultan Qaboos bin Said al-Said. Niemand in der arabischen Welt regiert länger. Qaboos ist Staatsoberhaupt und Regierungschef zugleich. Ein Parlament oder politische Parteien gibt es nicht. Was uns westlichen Köpfen zutiefst widerstrebt, dagegen begehrt die omanische Gesellschaft kaum auf. Im Gegenteil: „Qaboos ist sehr beliebt. Er ist der Landesvater und ein echter Menschenfreund“, erklärt Reiseführerin Anett. www.omanet.om Der gepflegte kreideweiße Bart ist so etwas wie das Markenzeichen des Sultans

Qaboos‘ Vater hatte das Land mit einem reaktionären Führungsstil an die Wand gefahren, Strom und fließend Wasser waren rar. Im ganzen Land existierten nur wenige Kilometer asphaltiere Straßen. Qaboos verpasste Land und Bevölkerung eine sukzessive Rundum-Modernisierung, baute Schulen und Universitäten, investierte in Infrastruktur und medizinische Versorgung, stellte Mann und Frau gleich.

„Heute ist Oman frauenfreundlich“, sagt Lamya Al Jabri. Die 25-Jährige wohnt mit ihrer Familie in dem Ort Sifa, rund 50 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Maskat. „Frauen dürfen studieren, arbeiten, Geld verdienen“, erklärt Lamya in gutem Englisch, wie es viele Omanis beherrschen. „Ehefrauen werden wie Königinnen behandelt“, sagt auch Anett. „Wenn sich eine Frau 50 Paar Schuhe von ihrem Gehalt kauft, ist das völlig in Ordnung.“

Die Abaya als respektvolle Kleidung in einem muslimischen Land

Lamya hat unsere kleine Reisegruppe zu sich nach Hause eingeladen, in ein geziegeltes Haus nur wenige Meter vom Meer entfernt. An der Decke rotieren zwei Ventilatoren gegen die Hitze. Im Sommer steigen die Temperaturen bis auf 50 Grad. Von Oktober bis April hingegen ist es angenehm.

Mit ihren Eltern, vier Schwestern und zwei Brüdern wohnt die junge Frau hier verteilt auf vier Zimmer. Sie trägt einen akkurat gewickelten Hijab, eine Art Kopftuch, und eine Abaya, ein schwarzes, kleidartiges Übergewand mit goldenen Einsätzen. Es fällt locker von ihren Schultern um ihren Körper.

Gewöhnlich schüchtern mich verschleierte Frauen ein. Doch an Lamya und ihren Schwestern sehen die sonst so streng wirkenden Kleider fast normal, ja sogar schön aus. Sie tragen sie in Gelb, Grün und Violett. Als unterdrückend empfände sie die Verschleierung nicht, sagt Lamya während sie mir starken arabischen Mokka mit Kardamom reicht. „Es ist einfach unser Verständnis, sich respektvoll und nicht aufreizend zu kleiden. Körper und Haare sind nur für die Augen deines Ehemanns bestimmt.“ Sie sagt das, als entspräche es tatsächlich ihrer Haltung – und nicht dem Ergebnis jahrelanger Indoktrination. Auch wenn es mir schwerfällt, das zu glauben.

Grand Mosque: Kein Zutritt mit (zu) durchsichtiger Kleidung

Am nächsten Morgen geht es nach Maskat. Mehr als 1,2 der gut vier Millionen Omanis leben in der im Landesnorden gelegenen Hauptstadt. 83 Prozent von ihnen sind jünger als 35 Jahre. Erster Stopp unserer Tour: die Grand Mosque. Bis zu 20.000 Gläubige finden in der „Großen Moschee“ zum gemeinsamen Gebet Platz. Außer am Freitag, dem muslimischen Gebets- und Feiertag, stehen die Türen auch Besuchern offen. Einzige Voraussetzung: Schultern und Knie – bei Frauen auch die Haare – müssen bedeckt sein. Min. of Tourism, Sultanate of Oman Aus vielen Perspektiven beeindruckend: Die Grand Mosque ist eine der größten Moscheen weltweit und wird damit ihrem Namen gerecht

Wie streng die Einlasskontrolle ist, erfahre ich am eigenen Leib: Ein schmächtiger Mann, so etwas wie der moscheeeigene Türsteher, mustert mich und mein bodenlanges dunkelblaues Kleid, für das ich mich morgens nach mehrfachem Outfitwechsel entschieden hatte. Nach wenigen Sekunden gibt er mir zu verstehen, dass der Stoff bei Lichteinstrahlung meine Beine durchschimmern ließe und damit zu durchsichtig für den Moscheebesuch sei. Verfügbarkeit prüfen [Anzeige]

Omanische Mode hautnah

Zwar halte ich diesen Einwand in Anbetracht der Tatsache, dass es in der Moschee ohnehin ziemlich düster ist, für leicht übertrieben, doch bleibt mir nichts anderes übrig als mich seinem Urteil zu fügen.

Das gibt mir die Chance, die traditionelle Kleidung der omanischen Frauen im Selbstversuch kennenzulernen. Kurzerhand kaufe ich mir eine bunte Abaya für fünf omanische Rial, also rund 12 Euro, und schlüpfe hinein. Während ich mein ungewohntes Spiegelbild betrachte und feststelle, dass das Überkleid tatsächlich jede Körperform verschluckt, versuche ich das dazugehörige Kopftuch um meinen Kopf zu legen. Meine Bemühungen sehen wohl ziemlich hilflos aus, denn schnell eilt eine freundliche Muslima auf mich zu, um mir mit meiner Kopfbedeckung zu helfen. Neu eingekleidet nickt mir der Türsteher leicht belustigt zu und lässt mich das Eingangstor zur Moschee schließlich passieren. Kristina Kreisel Religiöses Leben: Zwei Frauen verschwinden in den Gängen der Großen Moschee aus indischem Sandstein

Massiver Marmor in Richtung Mekka

In Moscheen gibt es für Frauen und Männer grundsätzlich separate Gebetsräume. Zunächst besichtigen wir die Moschee der Frauen mit dickem orangefarbenem Teppich, schmückenden Kaligrafien aus dem Koran und großen Teakholz-Türen, die die Gebetsrichtung nach Mekka vorgeben.

Doch als wir das männliche Pendant betreten, verstehe ich, warum unser Guide uns unbedingt zuerst das Gebetshaus der Frauen zeigen wollte. Denn diese Moschee ist von einem anderen Kaliber: prunkvolle Holzvertäfelungen, großflächig verbauter Marmor aus Italien, ein gigantischer acht Tonnen schwerer Swarovski-Kronleuchter in einer sagenhaften Kuppel und ein Gebetsteppich, den 600 iranische Frauen in rund drei Jahren Handarbeit gewoben haben. Ministry of Tourism, Sultanate of Oman 14 Meter hoch, 1122 Glühbirnen und acht Tonnen schwer: Der Kronleuchter der Großen Moschee aus der österreichischen Kristallglaserdynastie Swarovski ist rekordverdächtig

Warum ist die „Frauen-Moschee“ in einem Land, das angeblich so frauenfreundlich ist, so mickrig und schmucklos im Gegensatz zu ihrer männlichen Entsprechung, frage ich mich. „Das liegt daran, dass Frauen zum Gebet nicht in die Moschee gehen müssen“, erklärt Anett. „Um sich um Kinder und Haushalt kümmern zu können, dürfen sie auch zuhause oder an jedem anderen Ort beten. Männer müssen für das Gebet in die Moschee.“

Muttrah Souk: Angenehm unaufdringlich

Unsere Tour durch Muskat führt uns weiter zum Basar Muttrah Souk, dem ich skeptisch entgegenblicke. Aufdringliche Händler, die Touristen wertlosen Ramsch für viel Geld andrehen wollen, sind noch nie mein Ding gewesen. Doch der landesweit größte Souk überrascht mich positiv: Anders als in der Türkei oder in Indien, halten sich die Handeltreibenden angenehm zurück und bieten ihre Waren nur bei offensichtlichem Interesse an. Kristina Kreisel Manche Geschäfte sind voll bis unter die Decke mit Silberschmuck

In den unzähligen Geschäften kann man alles kaufen, das den Oman berühmt gemacht hat oder zum örtlichen Leben dazugehört: von Wasserpfeifen, traditionellen Kaffeekannen, silbernen Khanjar-Säbeln, Halsketten und anderem Schmuck über Datteln und Töpferware bis zum Luxusparfum Amouage und Weihrauch.

Mutige können den getrockneten Harz des Weihrauchbaumes sogar essen. Jedoch nur die hochwertigste Qualität. Dieser soll als Anti-Stress-Mittel gegen Nervosität helfen sowie desinfizierend, zellerneuernd, antirheumatisch und stimmungsaufhellend wirken. Kristina Kreisel An der Farbe und an der Größe der Stücke erkennt man die Qualität des Weihrauchs. Je reiner und heller der Harz, desto hochwertiger und teurer ist er.

Während die Gassen immer enger werden, verliere ich mich in dem Labyrinth aus fremden Düften, Schriftzeichen und Silberschmuck. Hinter den typischen Souvenirläden für Touristen entdecke ich in den schmaleren Gängen auch Geschäfte, in denen sich das normale omanische Leben abspielt. Einheimische Frauen verlassen mit Tüten die Geschäfte. Ganze Läden sind bis unter die Decke voll mit Abayas. Mich fasziniert der Anblick der vollen Kleiderstangen mit den langen Kleidern. Neben vielen schwarzen gibt es auch farbenfrohere Varianten mit Glitzer-Applikationen, Mustern und aufgenähten Details.

Königspalast Al Alam: Wo Qaboos die Reichen und Wichtigen empfängt

Auf unserer Rückfahrt ins Hotel legen wir noch einen kurzen Stopp am Sultanspalast Al Alam in der Altstadt Maskats ein. Direkt am Meer hat sich Sultan Qaboos hier einen repräsentativen Prachtbau errichten lassen, in dem vor allem offizielle Empfänge stattfinden. Als deutsches Staatsoberhaupt besuchte zuletzt Ex-Bundespräsident Christian Wulff im Dezember 2011 im Rahmen eines Staatsbesuches den Palast. Kristina Kreisel Ein Prachtbau in Königsblau und Gold: Dem Sultanspalast Al Alam am Rande der Altstadt Maskats können sich Besucher nur bis zu einem schmiedeisernen Tor nähern

Zwar kann man den Königspalast nur von außen besichtigen, doch das lohnt sich: Der Marmorboden auf dem Vorplatz glänzt so sehr, dass man das Gefühl hat, vom Fußboden essen zu können.

Weltklasse-Oper ab fünf Euro

Wer auf klassische Musik und tolle Architektur steht, sollte sich außerdem um Tickets für eine Aufführung im Royal Opera House Maskat bemühen. Die gibt's bereits ab fünf Euro. Den 2011 als erstes Opernhaus der Golfstaaten eröffneten Marmorpalast bezahlte der Sultan ausschließlich aus seinem Privatvermögen. Und er klotze: Prachtvoll vertäfelte Decken, opulente Freitreppen, rote Teppiche, Samt-Sitze, Marmorböden und indirekte Lichtspiele. Selbst Weltstars wie Plácido Domingo lockte er damit schon auf die Bühne. dpa Das Royal Opera House Muscat hat die Grenze vom Prunk zum Protz schon überschritten. Anmutige Stimmen sollen hier verschiedenen Kulturen zusammen bringen. Foto: Philipp Laage

Tolerant und weltoffen – auch in Zukunft?

Wer künftig das Land regieren wird, steht in den Sternen. Sultan Qaboos ist schwer krebskrank. Bereits mehrfach ließ er sich in einer Münchner Klinik behandeln. Seit Langem wird über einen potenziellen Nachfolger gemunkelt und eine Destabilisierung des Sultanats befürchtet. Dabei sollte die Symbiose aus jahrhundertealter arabischer Kultur und moderner Offenheit beschützt und weitergeführt werden.

Lamya aus Sifa sieht das ähnlich. Zwar wünscht sie sich die Welt zu sehen, besonders Europa reizt sie sehr. Doch zurückkehren in ihre Heimat, in den Oman, würde sie immer wieder. Zurückkehren in dieses Land, das sich anfühlt wie der Himmel auf Erden. Reise-Infos

Beste Reisezeit: Oktober bis April, dann herrschen angenehme Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad

Flüge: z.B. mit Oman Air täglich ab Frankfurt und München nach Muscat, ab circa 460 Euro. Flugzeit etwa sechseinhalb Stunden. Mehr Infos unter www.omanair.com.

Visum: Für rund 12 Euro erhalten deutsche Staatsbürger direkt bei Einreise am Flughafen Maskat ein zehn Tage gültiges Visum.

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Hinweis: Die Autorin reiste auf Einladung von Oman Air und dem Shangri-La Barr Al Jissah Resort & Spa.

Im FOCUS Online/Wochit Neuer Gefahren-Index: Das sind die gefährlichsten Länder der Welt Oman Muscat Maskat Arabische Halbinsel Strandurlaub